Eine kleine Einführung in die inklusive Sprache für das Schreiben über Kunst

(ENGLISH TEXT BELOW: A SHORT INTRODUCTION INTO INCLUSIVE LANGUAGE WHEN WRITING ABOUT ART)

Ich begegne immer wieder Künstlerinnen, die über sich selbst als Künstler sprechen.

Wer Kunst macht, muss sich auch schriftlich präsentieren können. Und wer schreibt, muss sich auch über Sprache Gedanken machen. Das kann in einigen Fällen weit über simple Fragen von Rechtschreibung und Grammatik hinausgehen. Mein heutiger Artikel handelt daher mal etwas weniger von der Kunst an sich, sondern es geht um linguistische Fragen. Genauer um inklusive Sprache. Zufälligerweise habe ich vor vielen Jahren ein sprachwissenschaftliches Studium mit linguistischem Schwerpunkt absolviert. Schon damals habe ich mich sehr für Feministische Linguistik interessiert und dafür, wie Frauen in der Sprache vorkommen. Als Student, Künstler, Einwohner etc. konnte ich selbst mich nie bezeichnen. Es erscheint mir befremdlich, für mich selbst eine männliche Form zu verwenden. Ich möchte das ganze Thema an dieser Stelle nicht detailliert darlegen und auch nicht umfassend diskutieren. Wer daran interessiert ist, kann sich gerne auf einen privaten Austausch mit mir darüber einlassen 🙂 . Ich möchte euch heute einfach ein paar Möglichkeiten vorstellen, wie ihr inklusive Sprache praktizieren könnt – und ich werde diese vorgestellten Möglichkeiten teilweise auch persönlich bewerten.

Überschriften

„Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die Verwendung von männlichen und weiblichen Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten für beide Geschlechter.

So oder ähnlich lese ich öfter einen Hinweis vor längeren Texten, in denen fast ausschließlich die männliche Form verwendet wird. Seltsamerweise wird diese Möglichkeit auch überwiegend von männlichen Schreibern benutzt. Ich persönlich halte diese Möglichkeit für die schlechteste – wenn ich sie denn überhaupt als eine solche gelten lassen möchte…  Es kommt mir vor wie eine lieblos hingeworfene Notiz, die einer rechtlichen Ausschlussklausel ähnelt. Mal eben schnell gesagt, braucht man sich im Anschluss keine Gedanken mehr zu machen und ist fein raus. Für mich ändert diese Variante nichts an der subjektiven Wahrnehmung, dass ich im Folgenden feminine Formen vermisse und mich nicht angesprochen fühle.

Überschriften(1)

„Ich habe mich sehr über die vielen Besucherinnen und Besucher auf meiner Vernissage gefreut.“

Genauso wie ich mich in der Einleitung einer Rede an die „sehr geehrten Damen UND Herren“ wende, halte ich es aus Gründen der Höflichkeit für angebracht, auch in anderen Kontexten beide Geschlechter konkret anzusprechen, wenn ich sie als Künstlerin emotional erreichen möchte. Nachteil: Es kann manche Texte oder auch einzelne Formulierungen umständlich erscheinen lassen und sehr in die Länge gezogen, besonders wenn sich mehrere Personenbezeichnungen hintereinander häufen.

Überschriften(2)

„Ich habe mich sehr über die vielen Besucher/-innen auf meiner Vernissage gefreut.“

In der frühen Phase der Diskussion um die inklusive Bennenung beider Geschlechter, fand sich diese Form recht häufig. Heute ist sie nicht mehr wirklich zeitgemäß, vor allem weil die Frauen optisch wie ein Anhängsel erscheinen. Ich kann diese Möglichkeit daher auch nicht empfehlen.

Überschriften(3)

„Ich habe mich sehr über die vielen BesucherInnen auf meiner Vernissage gefreut.“

Als nächstes kam die Verwendung des großen Binnen-I auf. Vor allem zunächst an den Universitäten setzte es sich schon in den 90er Jahren durch. Heute sieht man es weniger, vor allem weil die gedankliche Entwicklung und damit auch die Praxis der Inklusion einen weiteren Schritt nach vorne gemacht hat (siehe nächste Möglichkeit).

Überschriften(4)

„Ich habe mich sehr über die vielen Besucher_innen auf meiner Vernissage gefreut.“

Seit einiger Zeit hat sich das Gender Gap (engl. gender = Geschlecht; gap = Lücke) verbreitet. Man berücksichtigt hier, dass die Begriffe „Mann“ und „Frau“ soziale Geschlechter sind, es daneben oder dazwischen aber viele weitere Möglichkeiten der eigenen Geschlechtsidentität gibt. Wer hier Genaueres drüber erfahren möchte: einfach mal bei >> Wikipedia reinschauen!

Überschriften(5)

„Ich habe mich sehr über die vielen Besucher*innen auf meiner Vernissage gefreut.“

Eine weitere Variante, die der vorhergegangenen nicht nur sehr ähnelt, sondern quasi gleich kommt, ist der Gender Star oder Asterisk. Da ich persönlich von dieser Schreibweise erst in den letzten Monaten erfuhr, fragte ich mal die Bloggerin Sabine Küster, die sie verwendet, ob sie mir Genaueres dazu sagen kann. Ich erhielt die folgende  Begründung: „… weil auch die Sternenbestaubten mitgenommen werden wollen 🙂 .“ Also, ich muss sagen, das ist das für mich schönste Argument und ich werde in Zukunft auf Sternchen umsteigen! 🙂 (Wahrscheinlich gibt es aber auch noch andere gute Gründe… 😉 )

Überschriften(6)

„Ich habe mich sehr über die vielen Gäste auf meiner Vernissage gefreut. Es wurde viel gelacht. Hilda Meier hielt eine ansprechende Rede. Wer selbst Kunst macht (anstatt: „andere Künstler“)  konnte hier viele Anregungen bekommen. Man fühlte sich wohl und blieb bis Mitternacht.“

Schließlich bietet die deutsche Sprache eine Vielfalt an ganz anderen Möglichkeiten: „man“, ggf. „frau“, allgemein formulierte Passivsätze, namentliche Benennung, Umschreibungen, neutrale Formulierungen.) Das erfordert – zugegebenerweise – einen sehr bewussten Umgang mit Sprache und es dauert vielleicht ein bisschen länger, bis der Text fertig ist. Wer noch genauer sein möchte, kann z.B. aus „wer“ noch „welche“ machen. Es gibt viele Möglichkeiten…

Überschriften(7)

Eine letzte Möglichkeit ist es, verschiedene Varianten (ich persönlich bevorzuge 2, 3, 6 und 7) abwechselnd zu benutzen und so für eine gute Mischung zu sorgen. Allerdings sollte man nicht zwischen den Varianten 3, 4, 5 und 6 hin- und herwechseln; hier sieht es besser aus, wenn man sich für eine Variante entscheidet. Allgemein aber gilt für eine gute Textarbeit, dass Satzbau und Formulierungen abwechslungsreich eingesetzt werden sollen. Der anzustrebende Effekt ist, wenn der Text einen Lesefluss bewirkt, der die Leserinnen und Leser gar nicht erst in Versuchung führt, großartig über die Form nachzudenken, sondern wenn er einfach durch einen starken Inhalt wirkt.

Hinweis:

Die Darstellung der Thematik in diesem Artikel ist teilweise sehr vereinfachend. In der wissenschaftlichen Linguistik gibt es viele weitere Faktoren, die bei der Betrachtung und Bewertung in Betracht gezogen werden. Ich möchte hier aber auch keine wissenschaftliche Abhandlung schreiben, sondern einfach ein paar alltagstaugliche Empfehlungen aussprechen.

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A SHORT INTRODUCTION INTO INCLUSIVE LANGUAGE WHEN WRITING ABOUT ART

This is the first – and hopefully the last – article that I CANNOT simply translate into English. But I won’t leave you all disappointed and re-write the article for you so you understand the reason.

Artists do not only make art but they also try to sell themselves. In order to do this, they have to be able to express themselves orally and in writing. Once you start writing, you have to think about language.  In some cases, this means a lot more than just thinking about spelling and grammar. So today, I am going to talk less about art and instead on linguistic questions. To be more specific, I am going to talk about inclusive language. I actually got an M.A. degree in languages & linguistics at university a long time ago. Then already, I was extremely interested in Feminist Lingustics and in the visiblity of women in language. With regard to the German language, this is a lot more complicated as in English. In German, we have two genders for talking about people: male artist = Künstler, female artist = Künstlerin (plural: Künstlerinnen). For historical reasons, however,  AND for reasons of simplicity, people have been using the male form for talking about females too. We do not generally – or only very rarely – have a neutral word (like firefighter in English instead of fireman). So I keep meeting female artists talking & writing about themselves as Künstler. I find this very strange and I sometimes try to raise attention to the topic. I do not wish to discuss the pros and cons in general at this point. If you have never heard about inclusive language, please feel free to write me a personal message, and we’ll talk 🙂 I just want to give you the basics here today.

To find a way of using inclusive language in German, you have to be creative AND you have to really know your language. So above, in the German version, I have listed some possible options that work. If you are a learner of German as a foreign language, please refer to the German article above. This might all be very confusing but…. I am sorry, German acutally belongs to the most difficult languages on earth! *booohooo*

What I would be really happy about is if you could tell me how YOU try to apply inclusive language in English! Of course, I know it’s a lot easier in English and as a speaker – and former teacher! – of English as a foreign language I have some knowledge already. However, so much has been happening and things keep changing. I believe I am not completely uptodate anymore. Inclusive language in English has reached a whole new level I believe, with special regard to including the entire LGBT community. Tell me more – I look froward to hearing from you 🙂

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3 Kommentare

  1. Liebe Seona,
    das ist ein sehr interessanter Bericht! In der Sprache und auch in der Schrift die Gleichstellung zu berücksichtigen, ist der beste Weg Normalität dafür zu erreichen! Was ich meine, dass es zur Selbstverständlichkeit wird und eben nicht als feministischen Akt betrachtet wird!

    Sicher könnte ich mich stundenlang, über dieses Thema, mit Dir austauschen! Es ist einfach, leider, immer noch viel zu sehr präsent!

    Ich wünsche Dir noch eine schöne Restwoche!

    ❤liche Grüße Babsi

    Gefällt 1 Person

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