Ist das Kunst oder kann das weg? Oder: Warum Leon Löwentraut ein Künstler ist (Teil 2)

(ENGLISH TEXT BELOW: IS THIS ART OR RUBBISH? OR: WHY LEON LÖWENTRAUT IS AN ARTIST)

<< TEIL 1 HIER

Der Begriff „Kunst“

Wikipedia meint u.a. Folgendes: „Kunst ist ein menschliches Kulturprodukt, das Ergebnis eines kreativen Prozesses. Das Kunstwerk steht meist am Ende dieses Prozesses, kann aber seit der Moderne auch der Prozess selbst sein. Ausübende der Kunst im engeren Sinne werden Künstler genannt.“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Kunst, 30.05.2017) In diesem Sinne machen Kinder bereits Kunst, wenn sie zu Stift und Papier greifen. In der Schule werden sie darüberhinaus angeleitet, nach bestimmten Vorgaben Kunstwerke anzufertigen oder ein Kunstprojekt durchzuführen. Später mag man diese Tätigkeit als Hobby fortsetzen. Erst wenn man aber mit der Kunst Geld verdient bzw. (auch laut Finanzamt) die Absicht hat, Geld damit zu verdienen, ist man ein_e „richtige_r“ KÜNSTLER_IN.

Einige weitere allgemeine Auffassungen von Kunst und ein paar (Achtung: vereinfachte!) Gegendarstellungen:

Kunst kommt von Können — Gegenbeispiel: Yves Klein, International Klein Blue

Wer ins Museum Ludwig in Köln geht, kann eine große Leinwand bewundern, die ausschließlich in Ultramarin Blau bemalt wurde. Wer den Hintergrund nicht kennt, kann damit nichts anfangen. Es handelt sich bei der aufgetragenen Farbe um eine besondere Mischung, die der Künstler sich 1960 hat patentieren lassen. Diese Farbe spielte in Kleins weiterem Werk eine prägnante Rolle. Manch einer sucht vergeblich nach einem tieferen Sinn bei der Betrachtung vieler seiner Werke in Blau. Und ohne den ihm leidenschaftlich wohlwollend gesonnenen Kunstkritiker Restany wäre Klein womöglich nicht als KÜNSTLER (sondern womöglich nur als Handwerker) anerkannt worden. Er wurde es letztendlich aber!

Kunst ist das, was von den Akademien als solche eingestuft wird — Gegenbeispiel: Joseph Beuys

Schon immer hat es Künstler_innen gegeben, die sich mit den vorherrschenden Stilrichtungen nicht identifizieren konnten und die intuitiv oder provokativ einen neuen Pfad einschlugen. Schon immer lösten Epochen und Stile einander ab und „die Neuen“ wurden i.d.R. belächelt oder sogar ausgegrenzt. Joseph Beuys ging noch einen Schritt weiter: Er wollte nicht nur eine neue Kunst an sich schaffen, sondern er stellte die ganze akademische Auffassung von Kunst in Frage und schuf einen erweiterten Kunstbegriff. „Jeder Mensch ist ein Künstler“,  war sein provokantes Credo. Dieses lehrte er nicht nur, er praktizierte es auch. Er arbeitete in höchstem Maße inklusiv und integrativ. KÜNSTLER_IN kann sich nach dieser Auffassung jeder nennen.

Nur teure Kunst ist gute Kunst — Gegenbeispiel: Vincent van Gogh

Ja, ein Van Gogh kostet viel. Aber erst seit ca. den 1980er Jahren. Der KÜNSTLER ist hingegen schon 1890 verstorben und hat zu Lebzeiten kaum etwas verkaufen können. Er führte ein ärmliches Leben und wurde von seinem Bruder unterstützt.

Meine Meinung

Es wird deutlich, dass es gar nicht so einfach ist, sich auf einen gemeinsamen Nenner zu einigen. Trotzdem muss auch ich als Künstlerin mich fragen, wo ich meine Werke sowohl qualitativ als auch stilistisch einordnen kann und brauche dafür ein paar Maßstäbe. Als Kuratorin muss ich mich fragen, ob meine Veranstaltung – die ich zusammen mit meinem Kollegen Udo Funk organisiere – ein „gewisses Niveau“ haben soll und wie ich das dann definiere. Ich biete euch folgende Sichtweise an – wobei die Kriterien im Einzelfall sicherlich mal mehr mal weniger ausgeprägt sein können:

KUNST…

  • ist Leidenschaft: Wenn ich den Großteil meines Lebens (oder bei eingeschränkten Möglichkeiten) den Großteil meiner Freizeit dem künstlerischen Schaffen widme, weil ich nicht anders kann, dann mache ich Kunst.
  • ist Arbeit & Handwerk & Entwicklung: Ich kann mir nicht heute eine Leinwand und ein paar Farben kaufen und morgen schon mein Bild für 500 EUR anbieten. Jede_r Künstler_in wächst mit den Jahren, formt sich, entwickelt sich, erweitert ihr oder sein inhaltliches & technisches Repertoire. Die gesamte vergangene künstlerische Entwicklung fließt in jedes neue Werk ein (und sollte mit den Jahren auch in die preisliche Gestaltung einfließen).
  • ist Kreativität: Wer einen besonderen künstlerischen Ausdruck findet, ein Alleinstellungsmerkmal und/oder einen deutlichen Wiedererkennungswert hat, der/dem gebührt der nötige Respekt.
  • hat eine Botschaft: Nicht jede_r hat oder findet Worte, um diese Botschaft auszudrücken. Doch jede Kunst ist unabdingbar mit der Künstlerin oder dem Künstler verknüpft, kommt von innen und will nach außen.
  • ist nicht „billig“: Wer über Jahre hinweg viel Zeit & Geld in die eigene Ausbildung oder die persönliche Fortbildung investiert, der hat auch die Berechtigung, die Preise entsprechend anzupassen.
  • ist Professionalität: In der heutigen Zeit spielt es eine immer größere Rolle, sich mit einem Gesamtkonzept zu präsentieren. Auch wenn ich dieses Merkmal nicht für unabdinglich halte, so ist es doch sinnvoll und hilfreich bei der Karriere.
  • weckt Begeisterung: Wenn ein Kunstwerk gefällt, dann ist das so! Wenn jemand bereit ist, dafür einen vorgegebenen Preis zu zahlen, es zu Hause an die Wand zu hängen oder als Galerie darin zu investieren, dann ist das so!

Alles andere ist Geschmackssache. Und wenn ich mit etwas nichts anfangen kann, dann ist das auch so. Aber ich muss eine Kollegin/ einen Kollegen nicht in aller Öffentlichkeit diffamieren. (Wahrscheinlich gefällt ihr/ihm meine Kunst auch nicht.) Ich finde, dass man weg sollte von den „herkömmlichen“ Argumenten (siehe oben) und stattdessen der Subjektivität auch mehr Raum geben sollte. Was ist so schlimm daran, wenn jemand mit etwas Geld verdient, was mir nicht gefällt? (Achtung: Ich rede hier von Kunst und nicht von Einbruchsdiebstählen 😉 ) Es darf auch unterschiedliche Auffassungen von Kunst geben. Warum nicht? Es gibt auch unterschiedliche Auffassungen über ein gutes Buch oder einen guten Wein. In der Regel bereichert Diversität die Welt, anstatt sie zu bedrohen. Wichtig finde ich, dass man überhaupt Argumente für seine Ansicht hat und nicht einfach nur „herumpoltert“.

Was an dieser Stelle noch fehlt – und hier liegt meiner Meinung nach der eigentliche Knackpunkt – ist ein Wort zu einem überkandidelten Kunstmarkt. Aber ich persönlich finde, das ist ein anderes Thema, das aber oft mit der Frage nach guter Kunst verwechselt wird! Ich selbst möchte aber erst mal ein eigenes Versständnis von KUNST entwickelt haben, BEVOR ich mir anschaue, wie es der Kunstmarkt handhabt.

Fazit

Wenn Leon Löwentraut sein Leben lang nichts anderes machen wollte als Kunst und es auch tut, dann ist er ein KÜNSTLER. Wenn er danach strebt, sich weiterzuentwickeln, neue Techniken zu erlernen, dann ist er ein KÜNSTLER – auch wenn ihn die Düsseldorfer Akademie nicht wollte. Wenn seine Werke professionell vermarktet werden, wenn Galerien ihn weltweit vertreten, wenn seine hochpreisigen Werke Anklang finden und verkauft werden, dann macht er KUNST.

Und wenn er schon in jungen Jahren eine Aufmerksamkeit erfährt, die vielleicht etwas zu schnell kommt, die vielleicht etwas gewagt ist, dann erfüllt mich das nicht mit Skepsis oder Neid, sondern ich gönne es dem jungen Kollegen! Endlich hat es mal einer frühzeitig geschafft! Natürlich gibt es keine anhaltende Erfolgsgarantie. Aber im Moment läuft’s doch gut. Punkt. Und wer von uns träumt nicht davon, eines Tages „entdeckt“ zu werden. Am besten auch bevor ab 35 die Hälfte an Bewerbungsmöglichkeiten für Kunstpreise und Stipendien aufgrund von Altersbeschränkungen wieder wegfällt!

In diesem Sinne: „Alles hat seine Schönheit. Aber nicht alle sehen es.“ (Andy Warhol)

Was ist eure Auffassung von KUNST?

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Ist das Kunst oder kann das weg_(2)

IS THIS ART OR RUBBISH? OR: WHY LEON LÖWENTRAUT IS AN ARTIST

<< PART 1 HERE

The Term „Art“

You can read the following in the German Wikipedia page, „Art is a human culture product, the result of a creative process. The finished artwork is usually the end of this process, but since the Modern Age, art can also be the process itself. Praticioners of art in the narrow sense of the word are called artists.“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Kunst, 30.05.2017) Viewed in this way, children already practise art when they pick up drawing pen and paper. At school, they are instructed to create an artwork or art project according to certain guidelines. Later, you may continue this activity as a hobby. Only if you make money with your art or (if you ask the tax office) intend to make money, you are a „real“ ARTIST.

Some other common concepts of art and their (watch out: very simplified!) counterstatements:

Art Comes From Skill — Counterstatement: Yves Klein, International Klein Blue

When you visit Museum Ludwig in Cologne, you can admire a huge canvas that was painted exclusively in ultramarine blue. If you don’t know the background, you have no idea what this is all about. The paint is a specific mixture patented by the artist in 1960. This color plays a crucial role in Klein’s entire oevre. You may desperately look for a deeper sense while seeing his artworks. And without the support of  benevolently passionate art critic Restany, Klein might never have been accepted as an ARTIST (but only a craftsman). Eventually, though, he was!

Only Art Academies Know What Is ART — Counterstatment: Joseph Beuys

There have always been artists who could not identify with predominant art styles and who intuitively or provocatively pursued a new path. Art historical periods and styles have always changed and representatives of a new era have always been ridiculed or even marginalised. Joseph Beuys went even further. He did not only want to create a new style, but he completely questioned the academic concept of art and created a new understanding. „Everyone is an artist,“ was his provocative guiding principle. He both became a teacher of this concept and he practised it himself. Inclusion and integration were absolutely important to him.

Only Expensive Art Is Good Art — Counterstatement: Vincent van Gogh

Yes, a Van Gogh costs a lot! But only since the 1980s. The ARTIST, however, died already in 1890 and was not able to sell much during his lifetime. He was very poor and had to be supported by his brother.

My View

There’s no doubt about the difficulty to find a common ground. Being an artist myself, however, I do have to assess both the quality and the style of my own art. And in order to do that, I need certain reference points. Being a curator as well, I need to question and adjust the standards by which I select the participating artists for the event that I organize together with my colleague Udo Funk. I am offering you the following list of criteria – but keep in mind that specific situations always require specific solutions, of course 😉

ART…

  • is passion: If I dedicate the majority of my lifetime or (when time is limited) of my free time to the process of making art because I feel the strong urge to do so, then I make art.
  • is work & skills & development: I should not buy canvas and painting colors today and offer my painting at 500 EUR tomorrow. Every artist grows with the passage of years, extends their work content and technical skills. The total of one’s artistic development becomes part of each new artwork (and should also become part of pricing eventually).
  • is creativity: If you find a very specific way of artistic expression, create art with a unique selling potential, or that has a clear recognition factor, then you should be given the due respect.
  • has a message: Not every artist has or finds words to express their message. But every art is a product of the artists themselves, is comes from within and through art finds a way out.
  • is not „cheap“: If you have invested  a lot of time & money into your art education (whether at art school or in private tutoring) you have permission to adjust your sales prices accordingly.
  • is professionality: Nowadays, it is becoming more and mor important to present yourself with an overall concept. I don’t think this is imperative, but it does make sense and really helps with career advancement.
  • generates enthusiasm: If someone likes a certain piece of art, there’s no need to question it. If someone is prepared to spend money and put the artwork on the wall, or if a gallery is willing to invest in an artist, there’s no need to question that!

Everything else is a matter of taste. And if I don’t understand or have no interest in something, then neither is there need to question this. I just don’t get the point of  disqualifying my (in the art world making their living) collegues in public.  (And probably they don’t like what I do either anyway.) I think we should dismiss those conventional arguments (see above) and give more room to subjectivity. What’s the problem with someone making money with something I dislike? (Keep in mind: I am talking art here and not burglary 😉 .) I think different opinions on art are allowed. Why not? There are also different opinions on a good book or a good wine. Mostly, diversity enriches the world instead of being a danger. I think it is important to have arguments at all and not just make a lot of noise insulting others.

What is still missing in this article – and this is the real crux of the matter – is a word on the kooky art market. But I personally find, this is a different topic, which, however, is often confused with the question about good art. Personally, I think it’s important to find my own understanding of ART before comparing it to the art concept in the art market.

Conclusion

If Leon Löwentraut has not wanted to do anything else in life than make art, then he is an ARTIST. If he strives to develop further, study new techniques and gain new skills, then he is an ARTIST – even if the renowned German art school in Düsseldorf did not accept him. If his works are marketed professionally, if galleries represent him internationally, if his high-priced artworks are well received and sold, then he makes ART.

And I feel neither reluctance nor envy when already at a young age he attracts attention that might be a little to soon, maybe a little too daring – no, I say he is really lucky! Finally a young artist has made it! Of course, there’s no guarantee for lasting success, but right now things are good. Period. Don’t we all dream of being „discovered“ one day? Well, many of us are too old already. Many galleries, art contests, or scholarship programs do not encourage to apply beyond the age of 35!

On this note, „Everything has its beauty. But not everyone sees it.“ (Andy Warhol)

What is your understanding of ART?

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8 Kommentare

  1. Tja, was soll ma do noch dozu saache. Ich habe mir kurz die Bilder von Leon Löwentraut angeschaut. Das ist ungefähr so wie wenn jemand den Begriff Farbe allzu wörtlich nimmt. Er haut sie volle Kanne einfach auf die Leinwand, ohne dass irgendeine intellektuelle oder technische – objektive – Distanz dazwischen ist. Diese Art scheinbar grenzenloser subjektiver Willkür im Schöpferischen innerhalb einer gängigen Semiotik – klassisches Farbenmaterial, abgegraster Expressionismus, krasse Buntheit, einfache Dechiffrierbarkeit der Intention ohne intellektuellen Anspruch, Keilrahmen, usw. – ist aber vielleicht die einzige wirkliche Freiheit, die man als Künstler noch hat. Das Publikum honoriert solche Künstler, da er – Jungstar Leon – in allem dem gängigen Klischee des Künstlerseins entspricht. Je mehr er verkauft, umso mehr wird er auch einen exponentiellen Aufmerksamkeitskoeffizienten betreffend seiner Künstlerperson anhäufen.

    Dieser Punkt betreffend Aufmerksamkeitsökonomie ist aber unzweifelhaft das Interessanteste an der Kunst wie auch bei Medien, überall – Beschleunigung der ökonomischen Wertigkeit durch kulturelle Schneeballsysteme, faszinierend. Es funktioniert immer, weil viele Menschen dazu neigen, aus eigener Unzulänglichkeit, Glamoursucht, Profitgier in die Ware Aufmerksamkeit zu investieren. Mit jeder Investition und dem „Cultural Communication Act“ in der Galerie beschleunigt die virtuelle Ware Aufmerksamkeit und reichert sich ökonomisch an, wird also stetig teurer und teurer – wenn es gut geht, so die Hoffnung.

    Kunst funktioniert daher nach dem Prinzip der Wette. Es wird zunächst in Ideen mit anfänglich ganz schwacher ökonomischer Wertigkeit investiert, immer in der Hoffnung auf Gewinn. Nach dem Kumulationsprinzip setzt sich dann eine kleine und dann immer größere Kommunikationslawine aus Ideen in Gang, sodass auch die ökonomische Wertigkeit weiter steigt. Auch das Wirklichkeitsprofil der Kunst wird zugleich „zusehends“ schärfer, ersetzt immer weitere Realitätsaspekte. Bis dahin ist es noch Sisyphosarbeit für den Künstler, zugleich Kunstentertainer. Irgendwann wird die virtuelle Ware Kunst – als scheinbar freie Meinung eines nicht den Konventionen angepassten Kreativen – den Break Even Point überschreiten: http://de.wikipedia.org/wiki/Gewinnschwelle

    Dies ist der Punkt, wo Kunst den Charakter einer umfassenden Wirklichkeitssuggestion erhält und selbst zum Platzhalter für Realität und Alltag und mehr wird. Das heißt, ab einem bestimmten Zeitpunkt entsteht ein rasant steigendes ökonomisches Gefüge rund um den Faktor Kunst, um Authentizität, um Wertigkeit, und insgesamt um Aufmerksamkeit – also völlig konträr zu einem Umfeld, wo es nur noch um Massenabsatz und Massenphänomene geht. Dies ist das Prinzip der reinen Ideenökonomie und ist das eigentliche Prinzip von Kunst

    Kunst und Kultur funktioniert also ganz nach dem Prinzip der Wette, was aber gerade in der offiziellen – vom Staat in der universitären Ausbildung bezahlten – Kulturwissenschaft gerne verschwiegen wird. Denn der Saat investiert zu seiner eigenen Glanzerhöhung prinzipiell nicht in Trivialität. Das ganze ehrerbietige Geschwafel und Salbader, was danach in den vom Staat finanzierten Kulturevents vom Stapel gelassen wird – im Lehrplan an Schulen, usw. – oben bei Seona Sommer – dient zur millionenteuren Selbststilisierung des Staates und seiner Repräsentanten. Hoffen wir also, dass Leon Löwentraut’s Kunst ebenso diesen Break Even Point erreicht, wo er auch trotz objektiver Qualitätsmängel mit offiziellen Würdigungen haufenweise überschüttet wird.

    Aber im Ernst, ich kann nur hoffen, dass der Leon letztlich auf die Bremse drückt, bevor sein vermeintliches Genie in Wahnsinn übergeht, und er eine vernünftige Ausbildung an einer möglichst guten Kunsthochschule macht. Denn so platt er in seinem Auftreten und in seiner künstlerischen Konfiguration mittlerweile schon ist, es besteht die reale Gefahr, dass er in seinem standardisiertem Gemurgsel hängen bleibt und keine Kunsthochschule ihn mehr aufnimmt, da er schon zu fertig ist. Besser jetzt die Kurve kriegen, bevor er später nur noch der Entwicklung in der Kunst hinterher hechelt und heillos jammert.

    Bruno Toussaint, mail nc-toussabr(at)netcologne.de

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    1. Das ist ein interessanter Kommentar, der den ökonomischen Prozess hinter dem öffentlichen künstlerischen Erfolg beschreibt. Vielen Dank! Das ist natürlich eine ganz andere Heransgehensweise als meine. Aber wer auf der Erfolgswelle schwimmt, muss sich natürlich auch mit solchen ökonomischen Prozessen beschäftigen. Den einzigen Satz, den ich nicht verstanden habe, ist dummerweise genau der, in dem mein eigener Name auftaucht. Gerne würde ich ihn noch verstehen, auch weil ich mich üblicherweise ungerne mit dem Schulsystem in einen Topf schmeißen lasse 😉 Was Leon Löwentraut und die Aufnahme an einer Kunsthochschule betrifft: Die Düsseldorfer Akademie hat ihn ja bereits abgewiesen, wie man in dem ART-Artikel lesen kann. Ich wünsche ihm aber ebenso, dass er woanders angenommen wird. Denn sein Wille, sich zu entwickeln, existiert ja. Er ist letztendlich ein noch sehr junger Kollege, auch mit wenig Lebenserfahrung. Ich denke, durch ein Kunststudium könnte er sich sehr positiv weiterentwickeln. Meiner Meinung nach würde man ihm hier eine reelle Chance geben.

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  2. Tut mir leid, kann mich aus Zeitgründen an der ganzen Diskussion nicht mehr beteiligen, weil mir eben auf Xing der ganze Text – unabsichtlich wegen den vielen Schaltelementen – weggeflogen ist. Wie ich drauf bin, und was der Unterschied zwischen Kunst und bloßer Kreativität ist, kannst Du irgendwo in deinem Forum auf Xing anhand eines Textes aus dem Jahr 2009 finden, wo es um das Thema Bauhaus geht. Letztlich geht es immer um die Schärfe des Bewusstseins, was aber nichts mit Intelligenz und Sensibilität zu tun hat. Das heißt, der künstlerische Prozess funktioniert eher aus einem Hang zu sezieren, zu erforschen, auch sich selbst von sich abzuspalten. Man macht sich frei für eine neue Wirklichkeit, das alte geht dabei oft kaputt, neues wird in einer Art Revolution regelrecht erkämpft. Für viele geht dies aber schief. Yves Klein war so ein Mensch, aber das kostet jetzt wieder eine halbe Stunde.

    Das mit deiner Schulgeschichte tut mit leid, so ist aber das Leben. Als ich aber deine Meinung über Yves Klein las, wusste ich sofort, dass dieses Denken nach dem Motto: „Ist das überhaupt Kunst“, und danach die sehr einfach formulierte Verneinung der selbst gestellten Frage, mir doch etwas zu einfach ist. Auf Xing ging ich das Thema Punkt für Punkt methodisch durch, aber was soll ich tun. Ich schicke dir aber einen 16-Seiten Text auf deine Emailadresse zu, da steht alles drin. Danach hast Du ein Studium in moderner Reflexionskunst auf die Schnelle durchgemacht.

    Viel Glück also, Grüße an alle Kölner, die ich als zu allen Jahreszeiten singende und johlende Menschen so liebe.

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  3. Liebe Seona,

    Deine Artikel (Teil 1+2) lassen für mich hinsichtlich der Bewertung der Kunst keine Fragen offen. Alle wesentliche Aspekte sind in folgerichtiger Weise aufgebaut und in klarem, prägnantem Ausdruck dargelegt.
    Betreffend meiner Auffassung zur „KUNST“, die in wesentlichen Teilen Deiner gleicht, möchte ich an dieser Stelle auf meinen Kommentar zum Artikel, Teil 1 hinweisen.
    Deine Texte waren sehr interessant und lehrreich zu lesen. Sehr gefallen hat mir Deine tolerante Einstellung zur Kunstbewertung unter dem Abschnitt „Alles andere ist Geschmacksache“.
    Bis zum Zeitpunkt Deiner veröffentlichten Abhandlungen habe ich mir über Kunst im Hinblick auf deren „Bewertung“ keine nennenswerten Gedanken gemacht. So sah ich mich veranlasst, mich mit diesem Thema zu befassen. Wie ich bereits in meinem Kommentar zu Teil 1 zum Ausdruck gebracht habe, bin ich Kunstliebhaber, jedoch kein Kunstkenner.
    Danke für diesen Beitrag, Seona!

    Liebe Grüße,
    Jochen

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  4. Letztlich könnte man m. E. die unterschiedlichen Auffassungen über Kunst auf zwei Ansichten runterbrechen:
    Subjektiv betrachtet ist alles das Kunst, das ein jeder für sich als Kunst empfindet.
    Objektiv im Allgemeinen gilt Kunst als das, was als Kunst angeboten wird.
    Das ist`s. Aber wie sehr die unterschiedlichen Meinungen darüber an einander geraten können, kann man sehr schön an einem Diskurs, den ich leidenschaftlich mit meinem Bruder im Jahr 2011 über den Begriff Kunst geführt habe, sehen. Diesen Diskurs kann man sich auf meiner Website
    https://www.uweanders.com/biografie/hart-aber-fair-ein-leidenschaftlicher-diskurs-%C3%BCber-den-begriff-kunst/
    als pdf-Datei herunterladen.
    Viel Spaß bei der Lektüre.
    Uwe Anders

    Gefällt 2 Personen

  5. Ich kann diese Lektüre von Uwes Diskurs mit seinem Bruder ausnahmslos empfehlen! Eine wunderbar erfrischende Auseinandersetztung um die Kunst, die nicht zimperlich ist mit Vorwürfen und die doch – aufgrund der immer wieder betonten und sich gegenseitig versicherten Bruderliebe – zeigt, dass beide Positionen auch einfach nebeneinander stehen können. Vielen Dank, lieber Uwe, für diesen Hinweis!

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