Bildbetrachtung Werk Nr. 0190

(ENGLISH TEXT BELOW: CLOSER LOOK AT WORK #0190) Das Ölbild „Summertime“ aus dem Jahr 2016 ist mit 140 x 100 cm ein großformatiges Werk und gehört zu den eher untypischen Porträtmotiven in meiner Kunst. Denn die beiden abgebildeten Figuren nehmen nur wenig Fläche ein, stattdessen sind sie umgeben von einer gewaltigen, türkisfarbenen Wasserlandschaft. Aber auch wenn die beiden Jungs nur sehr klein dargestellt sind, so bringen sie doch enormen Schwung in das Auge und auch das Herz der Betrachterin oder des Betrachters. Man freut sich spontan mit den Kindern, man möchte die ausgebreiteten Arme und das strahlende Lächeln als Einladung verstehen und am liebsten zu ihnen in das kühle Nass springen.

Das Referenzfoto wurde von Freunden auf einer Reise durch Laos aufgenommen. Ich fühlte beim Betrachten direkt eine Magie, der ich mich nicht entziehen konnte, und ich wollte es unbedingt malen. Ich habe dabei zwei wesentliche Unterschiede zur Vorlage vorgenommen: Zum einen habe ich die Farbe des Wassers wesentlich intensiver – man könnte auch sagen: knalliger – gemalt. Zum anderen blickt der Junge der Betrachterin/dem Betrachter meines Bildes direkt in die Augen. Da visuelle Reize bei mir sehr über emotionale Prozesse verarbeitet werden, war mir das jedoch beim Malen nicht bewusst. Mit anderen Worten, ich habe das nicht so geplant. Es ist vielmehr so, dass ich nicht genau das, was ich gesehen habe, sondern das, was ich empfunden habe, gemalt habe. Für mich ist dies ein wesentlicher Aspekt in meiner Kunst: Ich sehe ein Motiv, es berührt mich emotional in einer bestimmten Weise und ich brenne dann darauf, meine eigenen Empfindungen mit in dieses Motiv einzuarbeiten. Für mich steht das nicht im Widerspruch zur Realität und damit auch nicht zum Hyperrealismus. Denn auch im „richtigen“ Leben bin ich ja keine möglichst objektive Wissenschaftlerin geworden, sondern ich bin vor allem ein Mensch mit einer sehr emotionalen Künstlerinnenseele. Jedes Betrachten löst bei mir Emotionen aus, die für mich Teil der wahrgenommenen Realität sind. Das Malen eines Motivs ermöglicht mir, diese Emotion der Betrachtung und auch Begegnung einzufangen. Vielleicht kann man auch sagen: Ich habe den emotionalen Realismus erfunden!

Es ist zwar noch nicht Sommer, aber das Bild „Summertime“ wurde vom Blog des Create! Magazine bei meiner dortigen Künstlerinnenvorstellung am 15. März als Titelbild gewählt. Ein guter Grund also, um es sich auch in dieser Jahreszeit einmal genauer anzuschauen.

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CLOSER LOOK AT WORK #0190: The oil painting „Summertime“ from 2016 is of a larger size, 140 x 100 cm, and quite different from my other portraits as the figures are only very small. Instead they are surrounded by a massive turquoise waterscape. But even if the two boys take up only little space they do cause quite some momentum for both the viewer’s eye and heart. We instantly feel happy for the kids and wish the open-armed gesture and the bright smile are an invitation to jump right into the refreshing water with them.

The reference photo was taken by friends on a trip through Laos. When I saw it I felt immediately mesmerized and wanted to paint it. However, I have made two changes to the original image: first, the color of the water is a lot more intense or loud; second, the boy in my painting looks straight into the viewer’s eye. As for me any visual stimulus is instantly translated into an emotional process, I wasn’t actually aware of this while painting. In other words, I did not consciously plan this. This is an essential aspect of my art: I see a subject, it touches me emotionally in a certain manner, and then I really want to include my own perception into the image. To me there is no contradiction between my emotions and realism or even hyperrealism. For also in „real“ life I have not become an objectively trained scientist but an artist with a highly-sensitive soul. Every act of looking at something or someone causes emotions which are part of my perceived reality. The act of painting allows me to capture this emotional side or encounter. I’d like to think that I have invented emotional realism!

Summertime is not here yet, but my painting „Summertime“ has been elected as title image for my artist’s presentation by the Create! Magazine blog on 15 March. A good reason to have a closer look at it today and at this time of the year. Ein guter Grund also, um es sich auch in dieser Jahreszeit einmal genauer anzuschauen.

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