Bilder & Worte – ein gutes Paar (Teil 1)

(ENGLISH TEXT BELOW: IMAGES & WORDS – A GOOD COUPLE (PART 1) ) Wie ich schon in einem früheren Blog-Beitrag geschrieben habe, trägt das Sprechen über dich als Künstler_in und deine Kunst wesentlich zu deiner Anerkennung in und Positionierung auf dem Kunstmarkt bei und sollte einen wesentlichen Teil deines Marketing-Konzeptes ausmachen: KUNST ist eben doch nicht nur „eine andere Sprache, die man nicht mehr in Worte zurückübersetzen muss“ (Gerhard Richter), Kunst BRAUCHT Worte – jedenfalls vor allem dann, wenn man als neue und zunächst erst mal mittelmäßige Künstlerin auf dem Markt gesehen, verstanden, anerkannt werden möchte. Niemand wird einfach so dein Bild unter 1.000.000 anderen so herausragend finden, dass sie oder er selbst die Aufgabe übernimmt, dich und deine Kunst in schmückende Worte zu kleiden, geschweige denn zu vermarkten.“ (> vgl. Blog-Eintrag: Wie ich eine Künstlerin wurde, Teil 3) Wie aber kannst du lernen, Worte für das zu finden, was du tust, warum du es tust und was das mit dir und deiner künstlerischen Mission zu tun hat? Glaub mir, für mich gehörte das jahrelang zu den schwierigsten Aufgaben und noch vor 6 Monaten hätte ich keinen Artikel darüber schreiben können, so wie jetzt. Lange Zeit habe ich mich auf Richters Statement (siehe oben) ausgeruht, aber im Grunde habe ich dahinter nur meine Unsicherheit verborgen, die passenden Worte zu finden.

warum-ich-portrats-male_hindernisse… denen ich begegnete:

  1. DAS GENRE: Malen ist – auch wenn man sich nebenbei viel mit Technik auseinandersetzt – ein sehr emotionaler Prozess. Und damit meine ich, dass beim Schaffensprozess „eine gewisse Energie fließt“ – aber eben „nur“ Energie und keine Worte. Das heißt, dass ich tatsächlich erst mal einen Weg finden muss, um das, was ich tue, in Worte zurück zu übersetzen.
  2. DIE UNWISSENHEIT: Weiß ich tatsächlich genug über Kunst und womöglich sogar Kunstgeschichte, um angemessen und eloquent genug darüber zu sprechen, so dass ich die gezielte Wirkung damit erziele? Ist es mir möglich, eine objektive Perspektive einzunehmen und meine Kunst in einen größeren Zusammenhang einzuordnen?
  3. DIE BESCHEIDENHEIT: Ist meine Kunst wirklich so besonders, dass es auch nicht lächerlich klingt, wenn ich sie hervorhebe und das vermeintlich Besondere daran unterstreiche?
  4. DER WIDERWILLE: Es fällt mir schwer, über mein Inneres, meine Emotionen zu sprechen. Muss das überhaupt sein? Wie viel muss ich von mir preisgeben?
  5. DIE FANTASIELOSIGEIT: Mir fällt einfach nichts ein.
  6. DER KNOTEN IN DER ZUNGE…

Ich hatte letztes Jahr im September aber eine Begegnung, die für mich den Wendepunkt darstellen sollte – auch wenn ich das in dem Moment noch nicht wusste. Während meiner Ausstellung im Rahmen der Kunsttage Unkeler Höfe 2016 hatte ich das Glück, dass der Bild- und Wortkünstler Branko Stahl meine Kunstwerke sah und Gefallen daran fand. Er begann ein Gespräch mit mir. Das heißt, zunächst war es ein Gespräch, ein Dialog – es wurde jedoch zunehmend ein Monolog seinerseits. Das lag daran, dass ich immer mehr verstummte: Da stand plötzlich ein mir bis dahin völlig unbekannter Mensch vor mir und erzählte mir unglaublich Tiefgründiges, Philosophisches, Schönes und vor allem auch Wahres über meine Bilder! Einen Moment lang kam es mir vor, als habe Branko in meine Seele geschaut. Ich war emotional sehr berührt. Diese Begegnung ließ mir keine Ruhe. Ich kontaktierte Branko und fragte ihn, ob er – auch gegen Bezahlung – bereit sei, Texte über meine Bilder zu schreiben, die ich dann auch öffentlich verwenden könnte. Er hatte zwar grundsätzlich nichts dagegen, aber es wurde sehr schnell klar, dass das sooo über die Ferne und auch ohne den gewissen „Zauber des Augenblicks“, wie es ihn in Unkel wohl gegeben hatte, nicht geht. Ich war zunächst traurig, aber plötzlich verstand ich etwas: Das, was ich an Brankos Worten als so wahr empfand, war ja nur deswegen wahr, weil es auch bereits in mir war. Und dann war ich mir auf einmal sicher, dass ich auch selbst Worte finden kann, wenn ich es nur versuche. Kurze Zeit später habe ich diesen Blog ins Leben gerufen!

Wie immer gilt: Aller Anfang ist schwer und ich kann dir nur empfehlen, dich nicht unter Druck zu setzen und vieles auszuprobieren, bis du ein Gefühl dafür entwickelst, was für dich am besten funktioniert. Vor allem aber solltest du eins tun: Beginnen! Ich bin eine starke Verfechterin des geschriebenen Textes.Damit meine ich nicht, dass du deinen Follower_innen demnächst immer ein Blatt Papier in die Hand drücken sollst, auf dem sie alles nachlesen können, was du ihnen zu sagen hast. Ich meine aber, dass das Aufschreiben von Gedanken diese erstens sehr gut ordnet. Zweitens kannst du an einem Text wirklich lange feilen und ihn immer wieder überarbeiten. Und drittens geht ein Text nicht verloren, du kannst ihn immer wieder benutzen. Ein hilfreicher Nebeneffekt ist, dass du dich mit einem geschriebenen Text viel intensiver befasst und ihn mit der Zeit auch verinnerlichst. So wird es dir bei deiner nächsten Ausstellung leichter fallen, über deine Bilder auch – scheinbar beiläufig – zu sprechen.

Für den Anfang ist es eine gute Idee, sich ein paar W-Fragen zu stellen und einfach mal ein paar Gedanken dazu niederzukritzeln. Es muss ja nicht immer alles gleich druckfertig sein.

  • Wer? … bist du?
  • Was?… machst du?
  • Wo?… lebst du? … arbeitest du (am liebsten)?
  • Wann? … hast du begonnen zu malen?
  • Wie? … malst du (Technik)?
  • Warum … malst du? … hast du dich für dieses Genre / diese Technik entschieden?
  • WW…. > Stelle dir deine eigenen Fragen!

Mit diesem Grundgerüst kannst du nun arbeiten. Diese „nackten Fakten“ sind aber eigentlich erst mal recht langweilig. Kunstliebhaber_innen möchten gerne von dir verzaubert oder in einen Bann gezogen werden. Sie lieben DEINE GESCHICHTE hinter den Fakten.

ÜBRIGENS… Eine Beschreibung zu dem Titelbild dieses Beitrages sowie meine weiteren Bilder des Zyklus „San Francisco“ (2015) könnt ihr >> hier auf meiner Homepage nachlesen.

Im meinem nächsten Blog-Beitrag werde ich dir einige ganz konkrete Tipps geben, wie du deinen Text aufpeppen kannst. >> FORTSETZUNG FOLGT

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es-erscheint-immer1eng

IMAGES & WORDS – A GOOD COUPLE (PART 1): Like I wrote in a  former blog post talking about your art and about yourself as an artist plays an important role for your recognition and appreciation in the art market and should be a crucial part of your marketing concept. ART is not „just another language that doesn’t need to be retranslated into words“ (Gerhard Richter), art NEEDS words – especially when you are seeking understanding and acceptance as a newbie in the art market and cannot offer perfect quality from the beginning. Nobody will find your works so extraordinarily standing out from a million others that they will do the job for you and find those extra embellishing words and start your marketing campaign. But how can you learn to find the words for what you do, why you do it, and what your mission is? Believe me, only 6 months ago I would not have been able to write this article. Until then I would always use Richter’s words to evade taking responsibilty, whereas in reality, I was just hiding my insecurity.

warum-ich-portrats-male_obstacles… I had to face:

  1. GENRE: Painting does involve technique but is primarily a very emotional process. When creating art I feel a certain energy – but only „energy“ and not words. This means I have to find a way to retranslate what I do back into words.
  2. MISSING KNOWLEDGE: Do I really lknow enough about art or maybe eben art history in order to be able speak about it appropriately and eloquently enough? Will my talking have the desired effect? Am I able to see things from an objective perspective and catagorize it under a higher context?
  3. MODESTY: Is my art really that special? Wouldn’t it be ridiculous to make it stand out and stress its special features?
  4. AVERSION: I find it really difficult to talk about my inner self, my emotions. Do I really have to do that? How much of myself do I have to reveal?
  5. LACK OF FANTASY: I really have no idea.
  6. TWISTED TONGUE…

Last September I had an encounter that turned out to be the turning point – which I didn’t know about in that very moment but found out later. During my participation in the  Kunsttage Unkeler Höfe 2016 I was lucky to meet the artist (painter & lyrics)  Branko Stahl who saw my paintings and liked them. We started a conversation. Well, first it was a dialogue but turned into a monologue of his more and more. Listening to him I became stunned by his words and tunrend silent. There was this completely unknown man telling me astonishingly deep, philosophical, beautiful and very true words about my paintings! For a moment it seemed as if Branko was looking inside my soul. I felt very touched by his words. A little while later I contacted Branko and asked him whether he would mind writing texts about my art that I could use in public. I was even willing to pay him for this. He did agree but it became clear very soon that with the distance between us and without the magic moment that we had in Unkel, it was simply not possible. First I was sad, but then I suddenly realized something crucial: everything I considered to be so true when he said it was only true because it was already in me. And then I felt very sure that I was able to find the words in me if I only tried. Shortly after that I started this blog!

As usual: the first step is always the hardest. I can only recommend that you don’t put yourself under pressure and try different things until you feel comfortable with something. But there’s no doubt: you must start somehow! I really encourage writing texts. Of course, these texts are not meant to be handed to your artlovers the next time they ask you a question. But there are several advantages when you write: first, it helps you to organize your thoughts; second, you can go over a text and adjust it as often as you like; third, you can keep the text and won’t forget the words. It is more than a useful side effect that you work a lot more intensely on a written text and will automatically memorize it over time. So at your next exhibition it will come a lot easier to you talking about about your art.

For starters, it is a good idea to begin with w-questions and just take some notes. It doesn’t have to be perfect right away:

  • Who? … are you?
  • What?… do you do?
  • Where?… do you live? … do you work (favorite working place)?
  • When? … did you begin painting?
  • How? … do you wirk (technique)?
  • Why … do you paint? … do you focus on this genre/technique?
  • W… > Ask your own questions!

With this basic information you can work now. However, these are only boring facts. Your followers want to be enchanted by you. They love YOUR STORY behind the facts.

BY THE WAY… you can read a detailed description on the painting from the headline as well as my other paintings from the series „San Francisco“ (2015) >> here on my homepage.

In my next blog entry I will give you some very hands-on advice on how you can improve your texts. >> TO BE CONTINUED

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4 Kommentare

  1. Ein sehr interessanter Beitrag!

    Meine erste Übung Ihrer Empfehlungen in Ihrer Blog-Veröffentlichung war, ohne es zum damaligen Zeitpunkt zu ahnen, da ich Ihren Artikel noch nicht kannte, die Beantwortung der 10 an mich gestellten Fragen zu meiner Nominierung zum Künstler des Monats März in „Brücker Kunsttage“. Ja, es ist nicht einfach, über sich selbst und die eigenen Kunstobjekte zu schreiben bzw. zu sprechen. Diese Erfahrung mache ich auch bei Austellungen, an denen ich mich beteilige. Hier die passenden Worte vor Gästen zu finden, bedarf schon einiger Übung!
    Ich fotografiere zwar schon ein „halbes Jahrhundert“, aber seit etwa 7 Jahren trete ich mit meinen Bilder erst in die Öffentlichkeit. Und das ist für mich auf diesem Sektor eine ganz neue Erfahrung!
    Ich werde im Sinne Ihrer Blog-Veröffentlichung weiter an mir arbeiten.

    Gefällt 1 Person

    1. Dabei hatte ich Sie gar nicht ganz oben auf der imaginären „Zielgruppen-Liste“ 😉 Sie schreiben doch bereits immer wieder sehr viel sowohl über Ihre eigenen Fotos und auch in Kommentaren über anderer Leute Kunst. Also wenn das nicht bereits genug Übung wäre! Aber manchmal hilft es ja auch, noch einmal alles aus einer anderen Perspektive zu betrachten und zu überlegen, ob man an dem, was man bisher gemacht hat, in irgendeiner Form noch feilen möchte. Viel Spaß dabei 🙂 Ich selbe feile auch permanent weiter….

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