Wie ich eine Künstlerin wurde (Teil 3)

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(ENGLISH TEXT BELOW: HOW I BECAME AN ARTIST (PART 3) )

TEIL 1 HIER <<   TEIL 2 HIER <<  Ich wohnte damals in einer kleinen Dachwohnung in Köln-Brück und war beruflich als Lehrerin tätig. In letzterer Funktion muss man immer ein komplettes Zimmer als Arbeitszimmer einplanen. Ansonsten hatte ich noch ein Schlaf- und ein Wohnzimmer. Es half nichts, die Staffelei musste ins Arbeitszimmer. Zum einen war das der einzige Raum, wo ich noch etwas hin- und herschieben konnte. Zum anderen konnte ich die Tür zum Arbeitszimmer öffnen und dann durch den schmalen Flur immerhin ein paar Schritte zurücktreten, um meine Kunstwerke auch mit Abstand zu betrachten, was absolut notwendig ist!

In jeder freien Minute malte ich. Natürlich war das nicht von Anfang an qualitativ hochwertig und stieß daher auch nicht bei jedem in meinem Umfeld auf Interesse. Ich merkte, wie sich Freundschaften dadurch veränderten. Denn das Malen wurde ein so wichtiger Teil von mir, dass es mich traurig machte, wenn zum Beispiel eine enge Freundin konstant darüber hinwegsah, nicht reagierte, wenn ich darüber sprechen wollte, und mir irgendwann (vermutlich ganz ohne böse Hintergedanken) stolz ein Bild präsentierte, dass „eine andere Mutter aus dem Kindergarten“ ihr geschenkt hatte. Ich begann daher, neue Menschen, die ich kennen lernte, offensiver mit dem Thema zu konfrontieren. Als ich meinen Mann 2006 kennen lernte, eröffnete ich ihm direkt bei unserem ersten Date: „Übrigens, ich male. Und ich brauche viel Zeit dafür.“ Damit war das schon mal klar gestellt!

Ich muss dazu sagen, dass ich in meinen frühen Kölner Jahren leider keine_n einzige_n andere_n Künstler_in kennen lernte und diesen Prozess ganz alleine vollzog. Ich ging auch nicht in Galerien oder auf Vernissagen. Teilweise aus dem einfachen Grund, dass ich in meiner knappen Freizeit eigentlich lieber malen wollte. Ich entdeckte KUNST in dieser Zeit daher ganz unbeeinflusst und autark und von Anfang überwiegend autodidaktisch für mich. Irgendwann besuchte ich für ein paar Monate einen Malkurs bei der Kölner Künstlerin Reni Scholz. Dort lernte ich ein paar Dinge, aber vor allem war Reni mein erster Kontakt in die Kölner Kunstszene und sie schickte mich eines Tages zu der Galerie artclub, eine Produzent_innengalerie unter der Leitung des Kölner Künstlers Parzival. Hier wurde ich sofort aufgenommen.

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Hände mit Kette, 2007

Zu der ersten Vernissage einer neuen Gruppenausstellung, in der dieses erste Bild von mir hing, fuhr ich voller Vorfreude und Erwartungen. Tatsächlich traf ich auf eine Menge netter und cooler Leute, die meisten selbst Künstler_innen. Es fühlte sich ein bisschen an wie Nachhausekommen (auch wenn ich mich selbst nach wie vor nicht für besonders „cool“ hielt). Als ich ihnen jedoch mein Bild zeigte, passierte etwas Merkwürdiges: Wir standen davor, ich zeigte darauf und niemand sagte etwas. Nach einer gefühlten Ewigkeit begann einer von ihnen eine Unterhaltung mit einem komplett neuen Thema. Ich ließ mir nicht anmerken, wie verunsichert ich mich fühlte, hatte jedoch eine wichtige Lektion gelernt: KUNST ist eben doch nicht nur „eine andere Sprache, die man nicht mehr in Worte zurückübersetzen muss“ (Gerhard Richter), Kunst BRAUCHT Worte – jedenfalls vor allem dann, wenn man als neue und zunächst erst mal mittelmäßige Künstlerin auf dem Markt gesehen, verstanden, anerkannt werden möchte. Niemand wird einfach so dein Bild unter 1.oo0.000 anderen so herausragend finden, dass sie oder er selbst die Aufgabe übernimmt, dich und deine Kunst in schmückende Worte zu kleiden, geschweige denn zu vermarkten. Ich hatte ein schwierige Aufgabe bekommen, an der ich bis heute konstant arbeite. Ich werde euch in einem zukünftigen Blog-Artikel erzählen, wie ihr lernen könnt, für eure Kunst die richtigen Worte zu finden.

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Für meine weitere Entwicklung waren vor allem noch drei Aspekte wichtig, die wesentlich zu der Entscheidung beigetragen haben, wie ich mich selbst als Künstlerin positionieren wollte: Schritt in die Öffentlichkeit, Ausrichtung & Qualitätsanspruch und Finanzierung. Alles werde ich an späterer Stelle für euch noch detaillierter betrachten. Heute geht es nur noch um die Weichenstellung zu Beginn meiner künstlerischen Karriere. Zunächst war da die Frage: Möchte ich als Künstlerin überhaupt sichtbar sein? Möchte ich regelmäßig ausstellen? Möchte ich verkaufen? Ja, ich wollte das von Anfang an! Die Galerie artclub war für mich ein guter Start. Dann stellte sich mir die Frage, welche Art von Kunst ich machen und – damit verbunden auch – welche Art von Qualität ich erreichen wollte. Hier habe ich anfangs ein wenig herumexperimentiert, aber Porträts begeisterten mich immer am meisten. Besonders geprägt hat mich nach der „Entdeckung“ Gerhard Richters schließlich Mitte der Nuller Jahre die „Entdeckung“ des deutschen Hyperrealisten Dirk Dzimirsky und sein Portfolio „Lemonworld“ mit seinen frühen Werken. Seitdem habe ich mich auf den Weg gemacht, hyperrealistisch zu arbeiten. Abschließend muss sich jede_r Künstler_in fragen, wie die Kunst finanziert werden soll und ob man womöglich davon leben kann. Die Antwort auf die letzte Frage ist bei mir defintiv nein. Auf weitere Details zu diesem Thema werde ich an anderer Stelle noch mal zurückkommen.

So! Ich bin jetzt Künstlerin. Wäre alles anders gewesen, wenn ich früh gefördert worden wäre? Wenn ich Kunst studiert hätte? Eine müßige Frage, natürlich wäre alles anders gewesen. Aber wäre es besser gewesen? Sicherlich hätte ich mich früher qualitativ entwickeln können, statt mir in „mühsamer Kleinarbeit“ über die Jahre alles – und damit meine ich nicht nur Techniken, sondern die ganze KUNSTwelt an sich – überwiegend autodidatkisch zu erarbeiten. Andererseits habe ich mich sehr frei entwickleln können und weder inhaltlich noch technisch irgendwelchen Zwängen folgen müssen. Es ist alles so, wie es ist. Und ich bin stolz auf das und glücklich mit dem, was ich ganz alleine erreicht habe 🙂

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HOW I BECAME AN ARTIST (PART 3):

PART 1 HERE <<   TEIL 2 HIER <<  I was living in a small attic apartment in Cologne-Brück and was making my money by teaching at a public school. With this kind of job there is no way around turning one complete room of your apartment into an office room. In addition, I had one bedroom and one living room with an attached kitchen. I didn’t have a choice, I had to put my easle into the office. On the one hand, it was the only room in which I was still able to move things around. On the other hand, I was able to leave the door open, leave the room and step back far enough to view my painting from a distance, which is usually absolutely necessary!

I used every free minute to paint. Of course, the quality of my art wasn’t really good in the beginning and so not everyone in my circle of friends was interested. I noticed how friendships began to change, for to me painting had become crucial. So it made me sad, for instance, when a close friend of mine kept overlooking my new hobby and never responded when I wanted to talk about it. One day she (probably without having second thoughts) proudly presented a painting, which she had been given by „another mom from kindergarten“. So I started to confront the people I met differently and talked about making art immediately. When I met my husband in 2006 I told him on our first date, „By the way, I paint. And I need a lot of time for that.“ And that was that!

I must add that, in my early years in Cologne, I didn’t meet any other artist unfortunately and I had to go through this process all by myself. Neither did I go to galleries or opening shows. The reason was simple most of the time: I preferred to use my little free time for painting. During this time, I encountered ART without being influenced by anyone, autonomous and predominantly self taught. After a while I attended a painting workshop by the German artist Reni Scholz for a while. I learnt a couple of things, but above all Reni became my first contact in the art community of Cologne. One day she sent me to  Galerie artclub, an artists‘ based gallery managed by the German artist Parzival. Luckily I was admitted immediately.

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Hände mit Kette, 2007

I was looking forward a lot to the first show opening which I was participating in. I was happy to meet many friendly and cool people there, most of whom were artists themselves. It felt a bit like coming home (even though I still didn’t consider myself very „cool“). However, when I showed them my painting on the wall something weird happened: I was pointing at it with big expectations but none of them said anything. After a little while that felt like eternity to me, one of them started a conversation with a completely different topic. I didn’t show my feelings, but I was very confused and I had learnt an important lesson: ART is not just „another language that is not meant to be retranslated into words“ (Gerhard Richter) but art NEEDS words – especially when you are a beginner, new to the art world and want to be seen, understood, and appreciated. Nobody else will think you are so extraordinary that he or she will do the job for you and find especially adorning words for you and your art. I had received a difficult task that, to this day, I keep working on constantly. In a future post I will tell you more about how you can learn to talk about your art.

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For my further development there were three more crucial aspects that I had to make a decision on in order to find my place in the art world: public visibility, genre & quality, financing. Again, I will write about these topics in more detail in future posts. Today I just want to talk about the decisions I took at the beginning of my artist’s career. First I was absolutely positive that I wanted to be seen in public, that I wanted to exhibit regularly, and that I wanted to offer my art for sale. The Galerie artclub was a good start for me therefore. At first, I experimented a lot with subjects and techniques, but eventually I decided to focus on portraits, which I had always liked most. A strong impulse and inspiration became the German hyperrealist Dirk Dzimirsky and his portfolio „Lemonworld“ that I learnt about in the middle of the ’00s. Since then I started my path towards learning hyperrealist techniques myself. The last question you have to ask yourself when making art is how you pay for everything. Art is an expensive hobby and nobody can live on it right away and turn it into a day job. I still can’t by the way. I will talk about this some other time in more detail, too.

Sooo! I am an artist now. Would things be different if I had received special support and sponsoring earlier? If I had gone to art school? A pointless question. Of course, things would be different. But would they be better? Most certainly, my artistic quality would have developed a lot earlier, instead it has taken me years of arduous work to be self tought in every aspect – both techniques and participation in the art world. On the other hand, I was completely free in what I wanted to do and pursue and did not have to follow any rules nor did I feel any pressure. Now things are as they are. And I am proud of and happy with what I have achieved absolutely on my own 🙂

 

4 comments

  1. Liebe Babsi, ein offizieller vierter Teil ist nicht geplant, aber gerne darfst du mir sagen, was dich konkret noch so interessieren würde. Ich nehme gerne Themenvorschläge für die nächsten Wochen auf 🙂

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