Meine Porträt-Palette

(ENGLISH TEXT BELOW: MY PORTRAIT PALETTE) Wie mischt man eigentlich Hauttöne? Der Weg zu meiner aktuellen Palette war lang – 12 Jahre, um genau zu sein. Seit ich begonnen habe, Gesichter zu malen, bis heute. Das impliziert, dass meine Palette ständig im Wandel begriffen ist – aber sie ist inzwischen relativ gefestigt.

Wie alles angefangen hat: Meine ersten Gesichter habe ich rein intuitiv und ohne viel Hintergrundwissen farblich irgendwie zusammengemischt. Einen großen Anteil hatte dabei der fertige Farbton „Hautfarbe“. Ansonsten habe ich mal dies, mal jenes ausprobiert. Sehr erstaunt war ich darüber, als ich in einem Malkurs darauf hingewiesen wurde, das Lila und Grün wesentliche farbliche Bestandteile eines Gesichtes seien. Das hatte ich bis dahin nicht selbst wahrgenommen, aber dann direkt für mich entdeckt und eine Weile lang mit verschiedenen grünen und lilafarbenen Farbtuben gearbeitet.

Der Wendepunkt: Irgendwann wurde ich darauf gestoßen, dass ich als erstes den Farbton „Hautfarbe“ aus dem Sortiment streichen muss. Ich fing an, mir die Hautfarbe selbst zu mischen und stellte fest, dass die Ergenisse viel natürlicher aussahen. Hiermit öffnete sich eine ganz neue Welt für mich und ich begann, mich technisch mehr mit dem Mischen von Farben auseinanderzusetzen. Mir wurde schnell klar, dass auch Lila und Grün nicht mehr direkt aus der Tube auf der Leinwand zu landen hatten, sondern nur noch angemischt oder beigemischt.

Was ist der Vorteil vom Mischen gegenüber den reinen Farben aus der Tube? Warum soll ich mir ein Lila anmischen, anstatt direkt ein Lila kaufen? Nun, der entscheidende Unterschied ist der, dass sich die angemischten Farben auch untereinander viel besser vertragen. Wenn ich einen bestimmten Lilaton direkt aus der Tube nehme, bleibt dieser ja nur so lange lila, bis er in eine andere Farbe verwischt wird, und dann sieht er meistens plötzlich ganz anders, teilweise sogar schmutzig aus. Wenn ich aber ein Lila aus Blau und Rot anmische und genau dieses Blau z.B. auch Bestandteil meines angemischten Brauns oder Graus ist, das ich vermale, dann werden die Übergänge beim Malen sanfter und natürlicher und wirken nicht schmutzig. Der ursprünglich angemischte Lilaton bleibt sogar länger erhalten, er wird zunächst erst mal einfach heller oder dunkler. Auch muss ich den Pinsel zwischendurch nicht immer komplett säubern, wenn ich von einem Farbton zum nächsten wechsele.

Meine Palette, die ich nun vorstelle, ist daher auch immer nur der Ausgangspunkt einer Mal-Session. Sobald die ersten Pinselstriche gemacht sind, werden nach und nach immer mehr Farbtöne wild gemischt.

  • Farben direkt aus der Tube kommen in recht kleinen Klecksen an den linken Rand – diese Farben werden in der Regel nur vermischt und selten direkt aufgetragen! Sie können (seltener) entweder einfach mit Titanweiß vermischt werden oder (öfter) in den unten vorgeschlagenen Farbmischungen: Kadmiumgelb hell, Kadmiumorange, Kadmiumrot hell, Alizarin Krapplack, Ultramarinblau, Saftgrün, Ockergelb, Permanentgrün dunkel.
  • Ganz oben drücke ich einen sehr dicken Klecks Titanweiß auf die Palette, da dies eine wesentliche Farbe ist, die ich ständig brauche.
  • Jetzt werden die ersten Farben gemischt und kommen an den rechten Rand:
    • Titanweiß + Kadmiumorange + Ockergelb > Hautfarbe
    • Kadmiumorange + Ultramarinblau > mittelbraun
    • Kadmiumrot hell + Ultramarinblau > braun
    • Kadmiumrot hell + Ultramarinblau + Permanentgrün dunkel > dunkelbraun
    • Kadmiumrot hell + 2-3 Teile Ultramarinblau + Permanentgrün dunkel > anthrazit
    • Alizarin Krapplack + Ultramarinblau > violett
  • In die zweite Reihe von rechts mische ich jede dieser Farbkombinationen aus der ganz rechten Reihe mit einem Schuss Titanweiß noch einmal in einer helleren und pastelligeren Variante an.
  • Wie man sieht, sind Kadmiumgelb hell und Saftgrün nicht direkt vermischt. Ich nutze sie meistens erst später spärlich und für bestimmte Akzentuierungen.
  • Die Farben Elfenbeinschwarz, Grünes Umbra und Sienabraun ganz unten führen im wahrsten Sinne des Wortes nur ein Schattendasein und können hier und da vorsichtig für Schattierungen eingesetzt werden. Oft sind sie aber auch gar nicht notwendig. Außer: Das Elfenbeinschwarz macht sich immer gut in den Pupillen der Augen.
  • Die vorgeschlagenen Mischungen eignen sich übrigens für alle Hauttypen!

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MY PORTRAIT PALETTE: Would you like to know how I mix skin tones? It took me a long time to develop my personal skin tone palette – 12 years actually, since I started painting faces until today. This logically implies that I keep adjusting it – but I haven’t changed it that much anymore recently.

How it all started: In the beginning, I used a lot of intuition without real knowledge when mixing colors. The ready-to-use color „skin tone“ usually took up a lot of space on my palette. Apart from that, I just tried this and that. I was puzzled one day when in a painting workshop I was told that there is always purple and green in faces. I hadn’t been aware of that until then. But then I paid closer attention to what I was seeing and actually tried all kinds of purples and greens A LOT.

The turning point: At some point I somehow became aware of the fact that I had to completeley delete the ready-to-use color „skin tone“ from my palette and mix a skin color myself. And I noticed that my faces immediately looked much more natural. Then a whole new mixing world opened up to me. It became also clear that from now on green and purple had to make a detour instead of going straight from the tube to the canvas.

What is the advantage from mixing instead of using the tones right out of the tube? Why should I mix purple, for instance, instead of just buying purple? The crucial difference is that mixed colors get along very different and a lot better with each other. When I use a purple right from the tube, it changes and sometimes even turns out dirty as soon as it touches another color. However, when I mix purple from red and blue, and when I use the same blue in other mixtures of browns or greys, then the transitions become a lot smoother, look more natural and not dirty. Also the mixed color changes less quickly and first becomes just lighter or darker. Last but not least, I don’t have to clean the brush all the time in between picking up different colors from the palette.

My palette, which I will now show you, is therefore only the beginning of a painting session. As soon as the first brush strokes have been applied, more and more tones will be mixed.

  • On the left, I line up colors from the tube – these colors are usually applied only mixed and very rarely directly on the canvas! I mix them with Titanium White only (sometimes) or in the suggested mixtures below (always): Cadmium Yellow light, Cadmium Orange, Cadmium Red light, Alizarin Krimson, Ultramarine Blue, Sap Green, Yellow Ochre, Permanent Green dark.
  • On top, I put a large blob of Titanium White, because I need it a lot.
  • I make the first mixtures and line them up on the right:
    • Titanium White + Cadmium Orange + Yellow Ochre > basic skin tone
    • Cadmium Orange + Ultramarine Blue > middle brown
    • Cadmium Red light + Ultramarine Blue > brown
    • Cadmium Red light + Ultramarine Blue + Permanent Green dark > dark brown
    • Cadmium Red light + 2-3 parts Ultramarine Blue + Permanent Green dark > dark grey/anthracite
    • Alizarin Krimson + Ultramarine Blue > violet
  • Now I mix Titanium White into all of these mixtures to make them lighter and more pastel like, and I line up the new mixtures next to the darker ones.
  • You can see that Cadmium Yellow light and Sap Green I don’t mix right away. I usually use them later in the process and only with caution in order to emphasize certain parts.
  • The colors Ivory Black, Green Umber, and Siena Brown literally lead a shadowy existence only. I sometimes use them carefully for shading certains areas a bit more intense. But often, I don’t need them at all. With the exception of Ivory Black, which is always good for the pupils in the eyes.
  • By the way, the suggested mixtures are good for all skin types!

 

 

5 comments

  1. Super.
    Dein Artikel war für mich richtig spannend. Ich finde es interessant, wie du beim Mischen der Hauttöne vorgehst. Ich kann aus eigener Erfahrung bestätigen, dass man stets für sich selbst herausfinden muss, wie man am besten vorgeht, damit bestimmte Dinge, die man zeigen, bzw. darstellen möchte, auch so herausgearbeitet werden, wie man es sich vorstellt und wünscht.
    Liebe Grüße von Rosie

    Gefällt 1 Person

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