Was will die Künstlerin damit eigentlich sagen…?

(ENGLISH TEXT BELOW: WHAT IS THE ARTIST’S STATEMENT ABOUT THIS PARTICULAR ARTWORK?) Und ich meine jetzt nicht die Künstlerin oben im Bild (Nina Simone – wir kommen gleich auf sie zurück), sondern die Künstlerin an der Tastatur, diesen Artikel schreibend – also mich! Lange, lange hat mich die Frage aus der Überschrift gequält. Weil ich keine Antwort darauf hatte. Weil ich einfach „Spaß“ am Malen hatte. Weil die Leute aber etwas hören wollten und zwar was Interessantes, was Tiefgründiges, was Bewegendes. Mich hingegen hat einfach das Malen bewegt. Mehr nicht – dachte ich. Aber es half nichts, die Frage war nicht einfach in die Ecke zu schieben. Immer wieder wollten die Leute was hören. Auch wenn ich mich für etwas bewerbe, müssen Texte über mich und meine Kunst geschrieben werden. Auf meine Webseite gehört ebenso ein Text über mich.

Ganz am Anfang habe ich Schweigen ausprobiert; in der Hoffnung, die Leute würden einfach etwas in meinen Bildern „sehen“, das ich dann Aufschnappen und weiterverwerten (quasi „klauen“…) könnte. Hin und wieder erhaschte ich so auch die ein oder andere Formulierung, die mir gefiel. Viel war das jedoch nicht. Einmal engagierte ich eine Lektorin. Sie schrieb zwar einen Text, der mir gefiel, aber dieser war immer noch zu steril. Tja, wie sollte die Frau auch wissen, worauf es mir ankam, wenn ich es selbst nicht in Worte fassen konnte. In der Galerie Artclub (Köln), in der ich 2008-15 Mitglied war, hat der Galerist Parzival alle 15 Monate, wenn ich wieder mal eine Einzelausstellung hatte, durchaus schöne Betrachtungen über meine Kunst angestellt. Aber das waren seine Worte, nicht meine – die Authentizität fehlte immer noch.

In der letzten Zeit haben mich drei Menschen jedoch auf besondere und sehr verschiedene Art dahingehend bewegt, dass ich plötzlich Worte finde für das, was in meinem Herzen eine so große Rolle spielt, dass es auch als wesentlicher Bestandteil meiner Kunst Ausdruck findet. Die erste Begegnung hatte ich im September in Unkel, einer kleinen Stadt am Rhein südlich von Köln, als ich an den Kunsttagen Unkeler Höfe teilnahm. Ich lernte dort Branko Stahl kennen, selbst bildender, aber auch Wortkünstler. Er stellte mir nur ein paar Fragen zu meinen Bildern, um dann mit seinen eigenen Worten mich und meine Kunst zu beschreiben. Ich war baff! Es war, als ob er in mich hineinschaute und einfach Verborgenes nach außen holte. Auch wenn ich nun leider kein einziges seiner Worte mehr wiedergeben kann, ich wusste nun: Da ist was! Ich muss es nur finden.

Als zweites wurde ich neulich auf Facebook auf ein kurzes, ganz aktuelles Video aufmerksam, in dem Gerhard Richter über Angela Merkel und Flüchtlinge spricht. Da ich ziemlich erschüttert darüber war, was er dort und wie er es sagte, möchte ich an dieser Stelle keinen Link zu dem Video einfügen. Nur so viel: Mein bisher größtes Vorbild in der Kunst hat mich stark enttäuscht. Was aber hat seine Aussage mit Kunst zu tun? Ist es nicht gerade Richter, der immer wieder betont, dass seine Kunst eigentlich keine besondere Aussage hat, dass er eben „einfach nur malt“? Doch Richter ist eben nicht „einfach nur ein Künstler“. Richter ist der teuerste noch lebende Künstler, er ist international bekannt und ein großes Vorbild für viele Menschen. Er hat meiner Meinung nach eine soziale Verantwortung, da er sich nicht davon frei sprechen kann, die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Er kann sich nicht „einfach so“ aus der Affäre ziehen. Und jetzt kommt Nina Simone ins Spiel, von der ich ebenfalls ein kurzes, scheinbar zeitloses Video auf Facebook sah – und die mir quasi aus der Seele spricht. Sie inspirierte mich dazu, mich doch noch einmal hinzusetzen und meine künstlerische Botschaft aufzuschreiben!

Bitte schaut euch das Video von Nina Simone hinter diesem Link kurz an und/oder lest die deutsche Übersetzung hier gleich im Anschluss und danach meinen neuen Text über mich meine Kunst auf meiner Webseite. Ich werde den Text sicherlich noch weiterentwickeln, aber für den Anfang bin ich so erst mal zufrieden 🙂

Übersetzung des Videos: „Ich denke, es ist eine wichtige Aufgabe, den Zeitgeist zu reflektieren. Das gilt meiner Meinung nach für bildende Künstler_innen, Dichter_innen und Musiker_innen. Natürlich ist es ihre eigene Wahl. Aber ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, die Zeit, in der wir leben, und die Situationen, in die ich gerate, widerzuspiegeln. Ich halte das für meine Pflicht. Gerade jetzt in dieser Zeit, wo alles so aussichtslos erscheint und jeder Tag ein Kampf ums Überleben ist, kann man doch gar nicht anders als sich einbringen. Junge Menschen, ob schwarz oder weiß, wissen das. Aus diesem Grund sind sie ja auch so engagiert in der Politik. Wir werden dieses Land formen und gestalten. Oder es wird gar nicht geformt und gestaltet. Ich denke daher, dass wir keine andere Wahl haben. Wie kannst du eine Künstlerin/ein Künstler sein und keinen Bezug auf diese Zeit nehmen, in der wir leben Für mich ist das die Definition von Kunst.“

>> Zum Liken, Teilen, Kommentieren bitte ganz nach unten scrollen 🙂

WHAT IS THE ARTIST’S STATEMENT ABOUT THIS PARTICULAR ARTWORK? And I am not talking about the artist in the above photograph (Nina Simone – I’ll get back to her soon), but about the artist at the keyboard writing this article – which is me! For the longest time, I was struggling hard with that question in the headline: I just didn’t have a proper answer. I just had „fun“ making art. But people want to hear a story, something interesting, something deep, something heart moving. I was just being moved by the process of painting, however – at least that’s what I thought. But that didn’t help, that question was always there. Also, when I apply for a exhibition space, I always need to give them some kind of text on myself and my art. Plus, it is necessary to have something like an artist’s statement on my personal webpage.

In the beginning I thought, silence was the answer. I was hoping that others would just „see“ something in my paintings, and they would say so, and I could use their words for my texts. But that didn’t work obviously. Once I hired an editorial assistant. She did write a text that I liked, but it was much too dry. Well, how could she know what I really wanted when I was not able to tell her. From 2008-15 I was a member of art gallery artclub (Cologne), and every 15 months, when I had another solo exhibition, the owner of the gallery Parzival held a nice speech on me and my art. But those were his words not mine – a certain authenticity was still missing.

Recently, though, three people have left a profound impression on me in very different and partly controversial ways. Suddenly, I was able to find words for what I feel and consider so important that it is also an essential part of my body of art. It started in September when I met the artist Branko Stahl while I was exhibiting at Unkeler Höfe in Unkel, a small town aat the River Rhine south of Cologne. He only asked me a couple of questions about my art and then started to describe me and my paintings in detail in his own words. I was stunned! He seemed to just look inside of me and pull out hidden information. Unfortunately, I don’t recall any of his words but then I knew: there is something already! I only have to find it.

Last week on Facebook, I came across a short recent video with Gerhard Richter talking about Angela Merkel and the refugees. As I was quite shocked about what he was saying and the words he chose, I do not want to insert a link to this viedo here. Let me just tell you: the artist I have so far admired most has completely disappointed me. You might wonder, what does his political statement have to do with art? Isn’t is Richter himself who has always said there is no special meaning in his art, that he „just likes making art“? BUT Richter is not „just an artist“. He is THE most expensive artist alive, he is internationally known and respected, he is a role model for many people. So I think he has a responsibility. He cannot just say anything without consequence. His words inspire others. And now I am getting back to Nina Simone, who I also came across on Facebook. Please watch the short and timeless film with her to find out what she says and what I am thinking just alike. She has now inspired me to sit down and write down my new artist’s statement! Please go ahead and read it here on my website. I may edit the text again but for now I am happy with it 🙂

 

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